Der Sachverständige

§§ 72 ff StPO

Sachverständiger ist, wer eine besondere Sachkunde besitzt und dazu bestellt wurde, gegebene Tatsachen auszuwerten und daraus richtige Schlüsse zu ziehen.

  • Hat auf einem bestimmten Wissensgebiet eine dem Richter fehlende Sachkunde.
  • Die Auswahl des Sachverständigen erfolgt durch das Gericht, ggf. auf Anregung von Anklage oder Verteidigung.
  • Der Sachverständige erstattet ein Gutachten, das er nach Aufforderung des Gerichts im Termin mündlich zu erläutern hat.
  • Sachverständige ist zur Erstattung des Gutachtens verpflichtet, soweit er kein Verweigerungsrecht hat (§ 408 ZPO).
  • Das Gericht ist nicht an die Schlussfolgerungen des Sachverständigen gebunden (freie Beweiswürdigung).

Aufgaben des Sachverständigen:

  • Vornahme spezieller Verrichtungen (Entnahme von Blutproben durch einen Arzt,
  • Feststellen von Tatsachen, die nur mittels besonderer Sachkunde feststellbar sind (BAK- Messung)
  • Mitteilung von Erfahrungssätzen ohne Schlussfolgerungen auf den konkreten Sachverhalt (bloße Erläuterung eines technischen Vorgangs)
  • Begutachtung eines vom Auftraggeber mitgeteilten oder durch eigene Sachkunde festgestellten Sachverhalts (DNA-Gutachten, kraftfahrzeugtechnisches Gutachten, kriminaltechnisches Gutachten über Spuren , rechtsmedizinisches Gutachten über Todesart und Todesursache, psychiatrisches Gutachten über den Beschuldigten)
Achtung: Beachte die Abgrenzung zum sachverständigen Zeugen. Dieser ist in erster Linie Zeuge gemäß der Definition und verfügt lediglich über einen besonderen Sachverstand.

Rechtsgrundlagen der Tätigkeit

Die Tätigkeit als Sachverständiger unterliegt keinen gesetzlichen Vorgaben. Auch bestehen keine Vorschriften über die Erlangung oder den Nachweis des Sachverstandes.

Der Gutachter muss als Spezialist in dem von ihm benannten Fachgebiet sachverständig sein. In den meisten Fällen sind die Kenntnisse in einem Studium oder durch eine Meisterprüfung erworben.

Lediglich die öffentliche Bestellung eines Sachverständigen ist in § 36 GewO geregelt. Bei der öffentlichen Bestellung muss der Sachverständige ein Mindestalter von 30 Jahren vorweisen.

In den §§ 402 - 424 ZPO sind die prozessrechtlichen Vorgaben für den Sachverständigenbeweis geregelt.