Die Formen des Beweises

Neben den Arten des Beweises (Personal- und Sachbeweis sowie Alibi) definieren wir die Formen des Beweises, den direkten und den indirekten Beweis.
Bei einem gerichtlichen Verfahren ist ein Beweis ein Gegenstand oder Umstand (Beweismittel), der geeignet ist, den Richter von einer Tatsache zu überzeugen. Beweise sind höherwertiger als Indizien.

Direkter Beweis

Ein indirekter Beweis ergeht, wenn die beweiserhebliche Tatsache unmittelbar auf den zu beweisenden Sachverhalt hinweist.
  • direkte Wahrnehmung des Zeugen zum Tathergang und zum Täter
  • Video-/Fotoaufzeichnung zum Tathergang

Indirekter Beweis (auch Indizienbeweis)

Beim indirekten Beweis oder Indizienbeweis wird von einer mittelbaren Tatsache oder einem Indiz unter Anwendung von Denkgesetzen und Erfahrungssätzen auf eine unmittelbar entscheidungserhebliche Tatsache geschlossen.
Es  handelt sich somit um einen Beweis durch Schlussfolgerung

Im Gegensatz zum direkten Beweis gewinnt der Richter im ersten Schritt keine Überzeugung von der Haupttatsache, wie etwa der Täterschaft des Angeklagten, sondern nur von Indizien als Hilfstatsachen des Beweises (etwa der jahrelangen Feindschaft von Angeklagtem und Opfer, der Androhung der Tat, der zeitlichen und örtlichen Gelegenheit usw.).

Von diesen Hilfstatsachen wird dann auf die Haupttatsache geschlossen.

Die Indizien (auch: Beweisanzeichen) vermitteln damit lediglich Hinweise auf Täter, Tat, Motiv und mögliche Beweise zur Ermittlung des wahren Sachverhalts.

Die Überzeugung des Gerichtes kann sich auch auf Indizien stützen. Das Indizien allein nicht unbedingt zur Überzeugung des Richters führen müssen, hat der Fall Ermyas M. am Landgericht Potsdam gezeigt.

Wirken mehrere von einander unabhängige Indizien darauf hin, dass ein sonst nicht zu beweisender Sachverhalt vorliegt, wird von einer Indizienreihe (auch: Indizienkette) gesprochen.

Dass Zusammenwirken besteht darin, dass sowohl Indiz 1 als auch Indiz 2 beide den Schluss auf die Haupttatsache erlauben.

Davon ist die Indizienkette abzugrenzen, die vorliegt, wenn mehrere Indizien (voneinander abhängig) auf eine beweiserhebliche Tatsache hinweisen. Diese Abhängigkeit besteht bei der kürzesten Form der Indizienkette darin, dass sich der Richter von Indiz 1 überzeugt, hiervon auf Indiz 2 und erst von diesem auf die Haupttatsache schließt.

Die Fingerabdruckspur am Tatort oder der Tatwaffe, beweist lediglich, dass der Spurenverursacher sich am Tatort aufgehalten hat bzw. die Tatwaffe in den Händen hielt. Ob er die Tat selber verübt hat lässt sich erst durch Schlussfolgerung beweisen.